UNTERWEGS

IN SCHWERER SEE

 

 

Während der Corona-Krise steuern Unternehmen durch unbekannte Gewässer – vor allem solche, die als systemrelevant gelten und besondere Anforderungen erfüllen müssen. Wie ist es den Stadtwerken Krefeld gelungen, auf Kurs zu bleiben und ihre Aufgaben für Kunden und Bürger zu erfüllen? Ein Blick ins Logbuch von Dorothee Winkmann, Leiterin Unternehmenskommunikation und Mitglied des SWK-Krisenstabs.

WIR

TRAGEN

VERANTWORTUNG

27. Februar | Erste Krisensitzung bei der SWK
Vor zwei Tagen ist in NRW der erste Patient positiv auf Corona getestet worden. Das Thema betrifft uns damit nun unmittelbar – zumal unser Tochterunternehmen lekker Energie auch Kunden in Heinsberg versorgt. Heute tagt erstmals der Krisenstab der Bunderegierung; wir sind als Unternehmen mit unserer Krisensitzung also früh dran. Aber wird das reichen? Die Geschäftsführer aller Bereiche waren heute dabei und uns allen ist klar: Wir müssen jetzt schnell handeln. Als öffentlicher Versorger sind wir systemrelevant und haben eine besondere Verantwortung, unser Geschäft aufrechtzuerhalten. Viele Fragen gilt es zu beantworten: Wie stellen wir sicher, dass Mitarbeiter im Wasserwerk weiterarbeiten können, wenn ein Kollege erkrankt? Wie halten wir den Betrieb von Bussen und Bahnen aufrecht? Wie gewährleisten wir den Service für unsere Kunden? Es wird eine lange Krisensitzung. Und wir finden nicht gleich auf alles Antworten. Aber über den Kurs müssen wir uns nicht lange abstimmen: Wir wollen für unsere Kunden da sein.

22. März | Der Shutdown beginnt
Es war abzusehen – und dennoch macht es mich betroffen: Die Bundesregierung hat heute eine weitreichende Kontaktsperre beschlossen. Mein erster Gedanke gilt meinem Team. Wie kann ich es schützen? Wie organisieren wir uns? Mir ist klar, dass ich jetzt aktiv handeln muss, um das hinzubekommen. Wir entscheiden, das Team in zwei Gruppen zu teilen, in denen jeweils alle relevanten Funktionen besetzt sind. Im Wechsel arbeiten wir vor Ort und im Home Office. Auch im Krisenstab gibt es viel zu tun. Wir entwickeln mit Hochdruck Back-up-Lösungen. Beispiel Wasserwerk: Kommt es zu Erkrankungen in diesem sensiblen Bereich, werden wir die Teams abschotten. Sie arbeiten dann im Schichtdienst, werden komplett versorgt und wir richten Schlafmöglichkeiten im Werk ein. Das sind Worst-Case-Szenarien. Ganz unmittelbar reagieren wir auf die gesetzlichen Abstandsregelungen: Die Kantine wird entsprechend umgebaut, ebenso gibt es Vorgaben für die Nutzung des Aufzugs und klare Anweisungen zur Hygiene. Wir sind nun definitiv im Krisenmodus.

30. März | Kreativ durch die Krise
Morgen tritt das Leistungsverweigerungsrecht in Kraft, das die Bunderegierung im Eilverfahren beschlossen hat. Damit kommt eine Pflichtaufgabe auf uns zu – die wir zur Kür erklärt haben. Seit heute gibt es für Kunden, bei denen es in Folge von Corona finanziell eng wird, eine zentrale Anlaufstelle: zahlungshilfe@swk.de. Die Kollegen beraten und leisten unmittelbar Hilfe; Kunden können zum Beispiel Zahlungen stunden oder Raten anpassen. Von der Idee bis zur Umsetzung dieses Angebots hat es keine 24 Stunden gedauert!

Viele Vorschläge kommen auch direkt von den Mitarbeitern an der Basis. Einer unserer Fahrer hat sich den „Ticket-Held“ ausgedacht: Seit heute bringen wir Menschen, die sich ihre Tickets nicht über die App kaufen können, ihre Tickets nach Hause.

Nachtrag: Inzwischen rufen mich schon Kollegen aus anderen Stadtwerken an, ob sie unsere Angebote kopieren dürfen. Ich verstehe es als Kompliment und sage natürlich zu. Jetzt ist ohnehin nicht die Zeit für Eitelkeiten. Die Lage verändert sich jeden Tag und unser Anspruch ist es, mit den Entwicklungen Schritt zu halten – oder sie sogar vorauszusehen.

 

 

27. April | Lokale Zusammenarbeit zahlt sich aus
In NRW gilt seit heute die Maskenpflicht in Bussen und Bahnen. Leider ist der Markt für Masken wie leergefegt, obwohl unser Einkauf alles versucht. Wir wollen unsere Kunden aber auch mit diesem Problem nicht allein lassen. Jetzt muss sich zeigen, wie gut das Netzwerk in Krefeld funktioniert. Immerhin haben wir zahlreiche Textilproduzenten in der Stadt, da muss es doch Möglichkeiten zur Zusammenarbeit geben …

Nachtrag vom 2. Mai 2020. Es hat funktioniert! Wir haben einen lokalen Partner gefunden und können unseren Kunden zu einem niedrigen Preis SWK-Masken anbieten. Heute ist direkt eine Verkaufsaktion dazu gestartet. Die Einhaltung der Maskenpflicht kontrollieren wir gemeinsam mit dem Kommunaler Ordnungsdienst. Auch sonst klappt die Abstimmung mit dem städtischen Krisenstab sehr gut.

1. August | Start in das „neue Normal“
Kommenden Montag bricht die letzte Ferienwoche in NRW an. Wir sind auf den Schulstart gut vorbereitet: Seit heute gibt es in unseren Bussen Hygienescheiben zwischen Fahrern und Kunden. Außerdem hängen in allen Bussen und Bahnen Spender mit Desinfektionsmittel. Schon seit März arbeiten wir an diesen Lösungen; Fahrzeuge zu verändern, ist ein technischer und organisatorischer Kraftakt – der sich gelohnt hat. Unsere Kunden profitieren jetzt von TÜV-geprüften Hygienekonzepten. Der Luftaustausch ist sogar besser als in Flugzeugen, denn in Bussen und Bahnen nutzen wir Frisch- statt Umluft. 2,2 Millionen Liter Frischluft pro Stunde sorgen dafür, dass sich Aerosole nicht verbreiten können. Ich hoffe sehr, dass wir mit solchen Informationen die Unsicherheiten mancher Kunden im Hinblick auf den öffentlichen Nahverkehr ausräumen können.

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