WIRTSCHAFTS-

BERICHT

 

 

 

Wirtschaftsbericht

Der Konzernjahresüberschuss 2019 liegt mit 20,1 Mio. € deutlich unter dem Vorjahr. Die Prognose für das Berichtsjahr 2019 ist damit eingetroffen. Dies liegt zum Großteil auch daran, dass sich bei zwei bedeutenden Gesellschaften, der lekker Energie und der EGN, die Ergebnisse 2019 gegenüber der Prognose deutlich anders, jedoch jeweils entgegengesetzt zueinander entwickelt haben.

 

Gesamtwirtschaftliche und branchen- bezogene Rahmenbedingungen  

 

Rückläufige Dynamik bei der Wirtschaftsleistung

Die deutsche Wirtschaft hat mit zehn Jahren Wachstum in Folge die längste Wachstumsphase im vereinten Deutschland erreicht. Die Aufschwungsphase der Wirtschaft entwickelt sich indessen im Vergleich zu den Vorjahren mit rückläufiger Dynamik. Das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) lag 2019 um 0,6 % höher als im Vorjahr. Begründet war die positive Entwicklung  unter anderem durch gestiegene private (+1,5 %) und staatliche Konsumausgaben (+2,5 %). Zudem verzeichnen die Bauinvestitio-nen, vor allem im Tief- und Wohnungsbau, ein Plus von 3,8 % im Vorjahresvergleich. Grund für die insgesamt rückläufige Dynamik ist der merkliche Vorratsabbau als Folge einer schwachen Industrieproduktion und gestiegener Exporte, wodurch letztendlich die preisbereinigten Bruttoinvestitionen (Bruttoanlageinvestitionen und Vorratsveränderungen) im Vorjahresvergleich insgesamt um 1,7 % zurückgingen.

 

Geschäftsfeld Energie und Wasser: Konsolidierung im Vertriebsgeschäft und Entwurf des Klimaschutzpakets

Die allgemeine gesamtwirtschaftliche Entwicklung stellt mittelbar einen Einflussfaktor für die SWK ENERGIE und lekker Energie dar und zwar im Hinblick auf die Energienachfrage der Kunden (Strom, Gas, Wärme), insbesondere bei den Gewerbe- und Geschäftskunden. Schwankungen bei Kunden des produzierenden Gewerbes wirken sich relativ stark auf den Absatz aus. Der Absatz, insbeson-dere in den Sparten Gas und Wärme, wird über die konjunkturelle Entwicklung hinaus vor allem auch von der Temperatur beeinflusst. Die Temperaturen werden mit dem Indikator Gradtagszahl abgebildet. Je höher dieser Indikator ist, desto kühler bzw. je niedriger, desto milder sind die Temperaturen. Es werden die Gradtagszahlen auf Basis der Temperaturmessungen der Wetterstation Krefeld verwendet. Die Gradtagszahlen im Berichtsjahr sind im Vergleich zum Vorjahr um 2,1 % höher und im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt (2005 - 2018) um rund 6 % niedriger. Das bedeutet, dass das Temperaturniveau im Berichtszeitraum 2019 gegenüber dem Vorjahr insgesamt etwas niedriger und gegenüber der durchschnittlichen Langfristreihe moderat höher war. Das 1. Quartal 2019 war milder, das 2. Quartal war deutlich kühler und im 3. Quartal und 4. Quartal war das Temperaturniveau 2019 annähernd gleich zu 2018. Bezogen auf das Gesamtjahr 2019 wirkte sich das Temperaturniveau in 2019 auf den Wärmeabsatz daher kaum aus.

Der Wettbewerb in der Energiebranche – so auch für die SWK ENERGIE und die lekker Energie – verstärkt sich aufgrund steigender Beschaffungspreise in den beiden Wettbewerbssparten Strom und Gas. Das Beschaffungspreisniveau im Berichtsjahr lag deutlich über dem des Vorjahres. Anfang 2019 mussten dadurch bei der SWK ENERGIE vor allem Strom- und Gaspreise für Neukunden  angepasst werden. In der Sparte Strom wurden zusätzlich auch  die Preise für Bestandskunden in Krefeld angehoben. Im externen Bereich wurde erstmals auch in der Sparte Gas die rollierende Preisanpassung für Bestandskunden durchgeführt, um die Preise anzuheben. Unverändert akquirieren Mitwettbewerber Neukunden vor allem mit hohen Bonuszahlungen. Dies führte bei der SWK ENERGIE insbesondere in der Sparte Strom bei den Privat- und Gewerbekunden gegenüber dem Vorjahr weiterhin zu hohen Kündigungen. In den letzten Jahren findet eine Konsolidierung im deutschen Energievertriebsmarkt - zum einen aufgrund von Insolvenzen und zum anderen durch den Verkauf von Kundenportfolien oder ganzen Vertriebsgesellschaften - statt. Sowohl die SWK ENERGIE als auch die lekker Energie konnten 2019 anorganisches Wachstumspotenzial nutzen und jeweils Kundenportfolien von zwei Vertriebsgesellschaften übernehmen.

Zudem verteilen sich die begrenzten Vertriebskapazitäten im Markt auf wenige Produktgeber und werden stark umworben. Die lekker Energie bindet durch langfristige Partnerschaften, einen engen Austausch über Prozesse und Systemautomation und die gemeinsame Erarbeitung neuer Vertriebsansätze die Vertriebspartner an sich. Trotz umfangreicher Tarifanpassungen blieben bei der lekker Energie die Kündigungen unter den Erwartungen.

Einen generell großen Einfluss haben die energiepolitischen Rahmenbedingungen für zukünftige Gestaltungsspielräume:

Die Bundesregierung legte im September 2019 das sogenannte Klimaschutzpaket (Klimaschutzprogramm 2030 und -gesetze) vor. Einer der Hauptpunkte des vorgelegten Klimaschutzpakets ist die zukünftige Bepreisung von CO2-Emissionen der Sektoren Verkehr und Wärme, die bisher nicht im Europäischen Emissions-handel (ETS) erfasst wurden. Ende Dezember 2019 wurde der Einstiegspreis festgelegt. Ab 2026 ist der Übergang zu einem nationalen Handel mit Emissionszertifikaten vorgesehen, deren Menge Jahr für Jahr sinkt. Inwieweit die SWK ENERGIE hinsichtlich ihrer eigenen Wärmeerzeugungsanlagen und durch ihren Fern- wärmebezug aus der Müll- und Klärschlammverbrennungsanlage der EAG hiervon betroffen ist, kann noch nicht abschließend beurteilt werden. Hierzu ist der Verordnungsgebungs-Prozess in 2020 zu beobachten und auszuwerten. Hierbei wird eine besondere Rolle spielen, wie und ab wann bei den relevanten Kunden in den Konzern-Geschäftsfeldern Energie und Wasser und Verkehr der CO2-Preis weitergegeben werden kann.

Den Entwurf für das Kohleausstiegsgesetz, hat das Kabinett der Bundesregierung Ende Januar 2020 im Kabinett verabschiedet. Der Ausstieg aus der Kohle ist nach unserer Auffassung nur zu realisieren, wenn gleichzeitig die Bedingungen für den weiteren  Ausbau Erneuerbarer Energien im Hinblick auf das 65 %-Ziel bis 2030 und darüber hinaus, massiv verbessert sowie die Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) – wie ursprünglich vorgesehen – im Kohleausstiegsgesetz verankert werden. Generell wird der Kohleausstieg Einfluss auf die Energiepreise haben. Durch den Kohleausstieg wird erwartet, dass übergangsweise Gaskraftwerke – das betrifft auch den SWK ENERGIE-Anteil am Trianel GuD-Kraftwerk in Hamm-Uentrop – eine höhere Auslastung haben und sich damit die Wirtschaftlichkeit verbessert.

Das Geschäft der NGN wird neben der allgemeinen gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, insbesondere in den Sparten Strom und Gas, durch die Rahmenbedingungen im liberalisierten Energiemarkt (Energiewende, intelligente Netze) sowie durch umfangreiche gesetzliche und regulatorische Vorgaben bestimmt.

Das wesentlichste regulatorische Instrument ist die Anreizregulierungsverordnung (ARegV), durch die die jährlichen Obergrenzen für die Erlöse aus Netzentgelten (Erlösobergrenze) festgelegt werden, um einen Anreiz zum Abbau von ineffizienten Kosten des Verteilnetzbetreibers über die Regulierungsperioden (Elektrizität 2019 bis 2023, Gas 2018 bis 2022) zu setzen. Die NGN setzt die Zielvorgaben hinsichtlich des Abbaus der Kostenineffizienz als wirtschaftlichen Rahmen für die Festlegung des Umfangs der Netzinvestitionen und des Betriebsaufwandes um. Ergebnisbelastungen aus sinkenden Erlösobergrenzen kann durch reduzierte Aufwendungen entgegengewirkt werden. Abweichungen zwischen den jährlich beschiedenen Erlösobergrenzen und den tatsächlich erzielten Erlösen eines Geschäftsjahres werden jährlich ermittelt, der Saldo wird jeweils über die folgenden 3 Jahre aufgelöst (Regulierungskonto). Die NGN unterliegt einer stetigen Prüfung über die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben durch die zuständigen Regulierungsbehörden, mit dem Ziel Kosten und Effizienz des Netzbetriebs zu verbessern und die Verbraucherrechte in einem natürlichen Monopol zu stärken. 

Die Erlösobergrenzen und nachfolgend die Netzentgelte werden nach den Regelungen der Netzentgeltverordnungen Strom bzw. Gas sowie der Anreizregulierungsverordnung ermittelt und müssen von der Bundesnetzagentur (BNetzA – zuständig für das Stromnetz Krefeld, Straelen, Wachtendonk) bzw. von der Landesregulierungskammer NRW (Gasnetz Krefeld) genehmigt werden.

 

Geschäftsfeld Entsorgung:  Exportrückgang beim Altpapier und Kunststoffabfall –  Noch Unsicherheit hinsichtlich der Auswirkungen der CO2-Bepreisung

Die allgemeine gute wirtschaftliche Entwicklung wirkte sich posi-tiv auf die Entsorgungsbranche aus. Wesentlich für die EAG/EGK und EGN waren in der thermischen Abfallverwertung das kon-junkturbedingt erhöhte Gewerbeabfallaufkommen und Abfallim-porte aus dem Ausland, die zu einer anhaltend guten Auslastung der Gewerbeabfallaufbereitungsanlagen und der Verbrennungs-anlagen führten. Durch verschärfte Importbestimmungen Chinas und nachfolgend auch weiterer ostasiatischer Staaten sind sowohl die Exporte von Kunststoffabfällen als auch von Altpapier im Berichtsjahr deutlich zurückgegangen. Diese Mengen drängen nun in den europäischen und deutschen Markt, drücken hier auf die Preise und begünstigen eine Verlagerung bestimmter Abfall-ströme hin zur thermischen Verwertung mit der Folge eines  entsprechenden Heizwertanstiegs. Bei insgesamt begrenzten  Verbrennungskapazitäten reduzierte sich dadurch auch der Import abfallstämmiger Brennstoffe. Unterstützt wurde dies durch eine im Jahresverlauf nochmals positive Preisentwicklung für die Verbrennung von Gewerbemüll. Die Preise bei der Neuvergabe der Entsorgung kommunaler Restabfälle bewegten sich ebenfalls leicht nach oben.

Für die EGN war auch die Einschränkung der Altpapier-Importe auf den asiatischen Märkten bedeutend, die im Jahr 2019 zu  einem Preisverfall auf diesem Markt geführt hat, der sich im 4. Quartal 2019 deutlich verschärft hat. Dagegen sind die Entsorgungspreise der Holzfraktionen im Laufe des Jahres 2019 gestiegen. Bereits zum Jahreswechsel 2018/2019 waren die Winterläger gut gefüllt. Durch den milden Winter 2019 erfolgte ein geringer Abbau dieser Läger. Hierdurch kam es zu einer Reihe von Annahmestopps in den jeweiligen Verwertungsanlagen.

Gemäß der Gewerbeabfallverordnung haben die Abfallerzeuger die Einhaltung der Getrenntsammlungspflicht bzw. die  Zuführung von Abfallgemischen zu einer Vorbehandlungsanlage zu dokumentieren. Seit dem 1. Januar 2019 müssen die Vorbehandlungsanlagen mit den in der Anlage zur Gewerbeabfallverordnung genannten Komponenten ausgestattet sein. Die EGN als Betreiber von Vorbehandlungsanlagen muss ihre Anlagen so betreiben, dass eine Sortierquote von mindestens 85 Masseprozent als Mittelwert im Kalenderjahr und eine Recyclingquote von mindestens 30 Masseprozent im Kalenderjahr erreicht wird.  
Die Gesellschaft hat zum Jahresbeginn 2019 alle notwendigen Maßnahmen ergriffen, um die gesetzlichen Forderungen zu erfüllen und im Laufe des Geschäftsjahres weitere technische Entwicklungen an den Anlagen durchgeführt, um die Prozesse und Sortierquoten stetig zu optimieren.

Das Jahr 2019 stand in der öffentlichen und politischen Diskussion im Zeichen des Klimawandels. Dies wirkte sich auch auf die nationale Gesetzgebung aus. Am 18. Dezember 2019 trat das Bundes-Klimaschutzgesetz (KSG) und am 20. Dezember 2019 das Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG) in Kraft. Mit dem KSG werden einzelnen Sektoren der Volkswirtschaft die bis zum Jahr 2030 zulässigen Jahresemissionsmengen für Treibhausgase zugewiesen. Das BEHG regelt die Bepreisung von CO2-Emissionen in den Bereichen Wärme und Verkehr über den Erwerb entsprechender Emissionszertifikate ab dem Jahr 2021. Die Auswirkungen auf die Müllverbrennung und die Nutzung des Faulgases bei der EGK sind abschließend erst nach Konkretisierung der Gesetze durch die entsprechenden Ausführungsverordnungen bezifferbar.

 

Veränderungen bei der Betrauung im Geschäftsfeld Verkehr

Im Geschäftsfeld Verkehr haben die branchenspezifischen rechtlichen und wettbewerblichen Aspekte ebenfalls einen bedeutende-ren Einfluss als die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Hierzu gehört insbesondere die Art und Weise, wie der öffentliche Personennahverkehr finanziert wird und welche Wettbewerbsbedingungen bei der Vergabe von Streckenkonzessionen vorliegen. Es muss davon ausgegangen werden, dass die Corona-Epidemie auch mittelfristig zum Teil erhebliche Auswirkungen auf die Ergebnissituation der SWK MOBIL haben wird.

Auch im Geschäftsjahr 2019 bildete die wesentliche Tätigkeitsgrundlage der SWK MOBIL die sowohl von dem Rat der Stadt Krefeld als auch den mitbedienten Gebietskörperschaften vor Inkrafttreten der EU-Verordnung 1370/07 erteilte Betrauung zur Erbringung von Nahverkehrsdienstleistungen. Sie sichert die Finanzierung und gilt bis zum 31. Dezember 2024 für Verkehrsleistungen im Stadtgebiet Krefeld. Ein Schutz vor Genehmigungswettbewerb ist dies allerdings nicht. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich Verkehrsunternehmen um einzelne von der SWK MOBIL bediente Linien bewerben, wird von der Geschäftsführung der SWK MOBIL nach wie vor als gering eingestuft, zumal die Leistungen von Dritten eigenwirtschaftlich erbracht werden müssten. Diese existierende Bestandsbetrauung wurde nach Auslaufen der Betrauungen für die mitbedienten Gebietskörperschaften Kreis Viersen, Stadt Duisburg, Kreis Neuss zum 3. Dezember 2019 um die ein- und ausbrechenden Verkehre in diese Gebietskörperschaften erweitert. Die Leistungen im Kreis Kleve wurden mit Auslaufen der Betrauung zum 3. Dezember 2019 nicht verlängert. 

Der Kreis Viersen wird die bisher von der SWK MOBIL erbrachten kreisinternen Verkehrsleistungen, inkl. derer im Gebiet der Stadt Viersen, in 2020 im Rahmen eines wettbewerblichen Verfahrens ab 2021 vergeben. Für das Jahr 2020 wurde die SWK MOBIL noch im Rahmen einer Notvergabe betraut.

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